Quereinsteiger in der Steuerkanzlei finden & einarbeiten
Keine Steuerfachangestellten in Sicht? So finden Kanzleien geeignete Quereinsteiger, arbeiten sie sinnvoll ein und vermeiden typische Fehler.
Kurz gesagt: Quereinsteiger können den Personalengpass in Steuerkanzleien spürbar entlasten, wenn Sie gezielt Menschen mit kaufmännischem oder buchhalterischem Hintergrund ansprechen, sie in klar abgegrenzten Aufgaben starten lassen und die Einarbeitung planen. Weil solche Kandidaten nicht nach „Steuerfachangestellte“ suchen, erreichen Sie sie kaum über Jobbörsen, sondern vor allem über Social Media.
Der Markt für ausgebildete Steuerfachangestellte ist praktisch leergefegt. Wer heute eine Stelle ausschreibt, konkurriert mit unzähligen anderen Kanzleien um dieselben wenigen Bewerber. Viele Kanzleien stellen sich deshalb die Frage, ob Quereinsteiger eine echte Alternative sind oder nur eine Notlösung. Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, wen Sie einstellen und wie Sie es angehen.
Warum Quereinsteiger für Kanzleien interessant sind
Wer weiter nur nach fertig ausgebildeten Steuerfachangestellten mit mehrjähriger Berufserfahrung sucht, konkurriert mit allen anderen Kanzleien der Region um eine sehr kleine Gruppe. Quereinsteiger öffnen einen deutlich größeren Bewerberkreis.
Dazu kommt: Viele Aufgaben in einer Kanzlei setzen nicht vom ersten Tag an tiefes Steuerwissen voraus. Finanzbuchhaltung, Lohnbuchhaltung, Belegorganisation oder Mandantenkommunikation lassen sich mit dem richtigen Hintergrund schnell erlernen. Ihre erfahrenen Steuerfachangestellten werden so für die anspruchsvolleren Aufgaben frei.
Welche Quereinsteiger wirklich passen
Nicht jeder Quereinstieg funktioniert. In der Praxis haben sich vor allem diese Hintergründe bewährt:
- Kaufmännische Ausbildungen mit Zahlenbezug, etwa Industriekaufleute, Bankkaufleute oder Kaufleute für Büromanagement mit Erfahrung in der Buchhaltung
- Buchhalterinnen und Buchhalter aus Unternehmen, die die andere Seite des Mandats kennen
- Lohn- und Gehaltsabrechner aus Personalabteilungen
- Mitarbeitende aus der öffentlichen Verwaltung mit Erfahrung in strukturierter Sachbearbeitung
- Studienabsolventen aus BWL oder Wirtschaftsrecht ohne Kanzleierfahrung
Weniger geeignet sind Bewerber, die sich selbst als „Buchhalter“ bezeichnen, aber keine nachweisbare Praxis haben. Ein kurzer Praxistest im Kennenlerngespräch, etwa das Kontieren einiger typischer Belege, zeigt schnell, wo jemand steht.
So finden Sie geeignete Quereinsteiger
Hier liegt der entscheidende Punkt: Quereinsteiger suchen nicht nach „Steuerfachangestellte (m/w/d)“. Eine Industriekauffrau, die in der Buchhaltung eines Mittelständlers arbeitet, kommt gar nicht auf die Idee, sich auf eine Kanzleistelle zu bewerben. Ihre klassische Stellenanzeige erreicht sie deshalb nicht.
Sprechen Sie Menschen an, die gar nicht suchen
Über Anzeigen auf Facebook und Instagram können Sie Menschen in Ihrer Region gezielt ansprechen, auch wenn sie nicht aktiv auf Jobsuche sind. Die Botschaft ist dabei eine andere als bei einer klassischen Stellenanzeige: Sie verkaufen nicht eine Stelle, sondern eine Perspektive. Zum Beispiel: „Sie arbeiten in der Buchhaltung und möchten sich weiterentwickeln? Wir bringen Ihnen den Rest bei.“
Nennen Sie den Quereinstieg ausdrücklich
Schreiben Sie in Anzeige und Stellenbeschreibung klar, dass Quereinsteiger willkommen sind und welche Vorerfahrung Sie erwarten. Viele geeignete Kandidaten bewerben sich sonst nicht, weil sie glauben, die Voraussetzungen nicht zu erfüllen.
Machen Sie die Bewerbung einfach
Wer nicht aktiv sucht, schreibt kein Anschreiben. Ein kurzes Formular mit wenigen Fragen zu Ausbildung, aktueller Tätigkeit und Buchhaltungserfahrung reicht für den ersten Schritt. Den Rest klären Sie im Gespräch.
Die Einarbeitung: Hier entscheidet sich der Erfolg
Der häufigste Grund, warum Quereinstiege scheitern, ist nicht der Bewerber, sondern eine fehlende Einarbeitung. Wer nebenbei mitlaufen soll, während das Team in der Hochsaison steckt, ist schnell überfordert und frustriert.
Bewährt hat sich ein klarer Plan in drei Stufen:
- Erste Wochen: abgegrenzter Einstieg. Starten Sie mit einem klar umrissenen Bereich wie der laufenden Finanzbuchhaltung einfacher Mandate oder der Lohnbuchhaltung. Ein fester Ansprechpartner beantwortet Fragen.
- Erste Monate: Kanzleisoftware und Abläufe. Gezielte Schulungen zur eingesetzten Software und zu den internen Prozessen, idealerweise mit festen Lernzeiten außerhalb des Tagesgeschäfts.
- Danach: fachliche Vertiefung. Schrittweise Einbindung in Jahresabschlüsse und Steuererklärungen sowie die Planung einer Fortbildung, sofern die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.
Planen Sie den Start außerhalb der Hochsaison. Wer im Frühjahr oder Spätsommer anfängt, bekommt die Aufmerksamkeit, die eine gute Einarbeitung braucht.
Die häufigsten Fehler
- Zu breit suchen: „Quereinsteiger willkommen“ ohne Angabe, welche Vorerfahrung passt, bringt viele unpassende Bewerbungen.
- Kein Praxistest: Ohne kurze Probeaufgabe im Gespräch ist die tatsächliche Erfahrung schwer einzuschätzen.
- Einarbeitung nebenbei: Ohne festen Ansprechpartner und Plan verlieren Sie gute Leute in den ersten Monaten.
- Falsches Gehaltsversprechen: Seien Sie offen darüber, wie sich das Gehalt mit wachsender Erfahrung entwickelt. Das schafft Vertrauen.
Fazit
Quereinsteiger sind keine Notlösung, sondern für viele Kanzleien der realistischste Weg, wieder handlungsfähig zu werden. Entscheidend ist, die richtigen Hintergründe gezielt anzusprechen, und zwar dort, wo diese Menschen täglich unterwegs sind, und die Einarbeitung ernst zu nehmen.
Sie möchten wissen, wie viele Buchhalterinnen, Lohnabrechner und kaufmännische Fachkräfte im Umkreis Ihrer Kanzlei leben und wie Sie sie erreichen? In einem kostenlosen Erstgespräch zeigen wir es Ihnen.
Häufige Fragen
Kann ein Quereinsteiger in einer Steuerkanzlei arbeiten?
Ja. Viele Aufgaben wie Finanz- und Lohnbuchhaltung lassen sich mit kaufmännischer oder buchhalterischer Vorerfahrung gut erlernen. Wichtig sind eine strukturierte Einarbeitung und ein klar abgegrenzter Start.
Welche Quereinsteiger eignen sich für eine Steuerkanzlei?
Besonders gut eignen sich Menschen mit kaufmännischer Ausbildung und Buchhaltungspraxis, Lohnabrechner aus Personalabteilungen, Buchhalter aus Unternehmen sowie Studienabsolventen aus BWL oder Wirtschaftsrecht.
Wo finde ich Quereinsteiger für meine Kanzlei?
Quereinsteiger suchen selten nach Kanzleistellen. Sie erreichen sie am besten über gezielte Anzeigen auf Facebook und Instagram in Ihrer Region, die ausdrücklich zum Quereinstieg einladen.
Wie lange dauert die Einarbeitung eines Quereinsteigers?
Das hängt stark von der Vorerfahrung ab. Rechnen Sie mit einigen Wochen für einen abgegrenzten Einstieg und mehreren Monaten, bis jemand breiter eingesetzt werden kann.